Versorgung

Gründe und Lösungen für Lieferengpässe im Arzneimittelbereich
Sie bekommen von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt ein Medikament verschrieben und erhalten in der Apotheke die Information: „Ist derzeit leider nicht lieferbar.“ Dieser Satz ist momentan leider öfters zu hören. Wir erklären Ihnen auf unserer Website, was es mit diesem „derzeit leider nicht lieferbar“ auf sich hat – wie es dazu kommt und wie die unangenehme Situation gelöst werden kann.
Generell muss man wissen, dass viele Faktoren die kontinuierliche Bereitstellung von Arzneimitteln beeinflussen können. Denn
- Arzneimittel bestehen aus sehr vielen einzelnen Komponenten. Sie werden in den verschiedensten Teilen der Welt zusammengesetzt;
- dazu kommen komplexe Prozesse in der Herstellung selbst und ebenso in der Qualitätssicherung;
- speziell aber die derzeitige Situation, also das enorm hohe Infektionsgeschehen, führt zu einer Nachfrage, mit der das Angebot schlichtweg nicht mithalten kann.
Nicht zuletzt liegt die Herausforderung auch im Anspruch der Versorgung selbst: jederzeit das richtige Arzneimittel zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort für die Patientinnen und Patienten verfügbar zu machen. Das Wichtigste bei alledem aber ist: keine Patientin, keinen Patienten unversorgt zu lassen. Und das gelingt in fast allen Fällen.
Auch wenn jeder einzelne Fall, in dem ein Medikament nicht verfügbar ist, unangenehm ist und alle Beteiligten herausfordert, so darf man dabei nicht vergessen: In Österreich gibt es etwa 16.820 registrierte Arzneimittelspezialitäten. Die Lieferschwierigkeiten betreffen in der Regel lediglich ca. zwei Prozent davon. Das heißt umgekehrt, dass wir in Österreich ein sehr hohes Maß an Lieferfähigkeit haben.
Wann spricht man von einem Lieferengpass?
Von einem Lieferengpass spricht man, wenn ein Arzneimittel länger als zwei Wochen nicht geliefert bzw. in der ausreichenden Menge zur Verfügung gestellt werden kann. Kürzere Lieferverzögerungen können durch Vorräte bei Arzneimittelvollgroßhändlern und Apotheken gut überbrückt werden.
Ein Lieferengpass bei einem Arzneimittel führt nicht automatisch zu einem Versorgungsengpass: Oft steht das Medikament in einer anderen Stärke, Darreichungsform oder Packungsgröße zur Verfügung. Ist das nicht der Fall, kann in der Regel auf ein anderes Medikament zurückgegriffen werden, das denselben Wirkstoff hat, bzw. auch, nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt, auf eine Alternative mit einem anderen Wirkstoff.
Währenddessen setzen die Arzneimittelproduzenten alles daran, ihre Produktion abzusichern - denn klar ist: Jedes Unternehmen hat höchstes Interesse daran, sein Produkt stets am Markt verfügbar zu halten.
„Wir setzen alles daran, dass keine Patientin und kein Patient unversorgt bleibt, wenn das Medikament, das von der Ärztin oder dem Arzt verschrieben wurde, gerade nicht lieferbar ist.“
- Mag. Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG
Ursachen und Gründe für Lieferengpässe
Dass es diese Engpässe gibt, ist auf viele Ursachen zurückzuführen, die wir hier näher erläutern.
Der anhaltende Preisdruck gerade bei patentfreien Arzneimitteln (=Generika) hat über die letzten Jahrzehnte zur sukzessiven Abwanderung und in vielen Fällen zur Konzentration der Produktion auf einzelne Hersteller geführt. Das macht Lieferketten anfälliger für Störungen.
Weitere Gründe für Lieferengpässe, die mit der Preisgestaltung zusammenhängen:
- unerwartete Ereignisse im Bereich der Preis- und Erstattungspolitik
- reduzierte Lagerhaltung bedingt durch hohen Kostendruck
- steigende Qualitätsanforderungen, die die Produktion verteuern
- steigende regulatorische Anforderungen, die die Produktion und den Vertrieb immer komplexer werden lassen (z. B. sterile oder biologische Verfahren)
- Unerwarteter oder plötzlich und in hoher Menge auftretender Mehrbedarf (etwa bei plötzlich auftretenden Krankheitsausbrüchen, von denen eine große Anzahl an Personen betroffen ist)
- Knappheit bei für die Herstellung eines Arzneimittels notwendigen Komponenten (chemische Komponenten, Zwischenprodukte, Lösungsmittel, Primär- und Sekundärpackmittel)
- Generell längere Lieferzeiten bei Bestandteilen, die im Fertigungsprozess benötigt werden (z.B. Lösungsmittel und Beschichtungen, Papier für Verpackung & Beipacktexte, Verschlüsse, Kunststoff- und Glasbehälter
- Verzögerte Lieferungen durch andere Anbieter, wenn bei diesen durch den Ausfall eines Herstellers plötzlich mehr Ware nachgefragt wird (sog. Klumpenrisiko, wenn viele Hersteller auf ein und denselben Zulieferer angewiesen sind)
Anhaltender Fachkräftemangel und Personalausfälle durch Krankheiten (derzeit etwa rasant steigende Infektionszahlen nach Aufhebung der Null-Covid-Politik in China)
- Qualitätsprobleme bei der Herstellung (Verunreinigungen im Produktionsprozess, Mängel bei Verpackung etc.)
- Probleme im Vertrieb (Ausfall von Kühlaggregaten während des Transportes, geschlossene Grenzen usw.)
Darüber hinaus können sich nicht kalkulierbare Warenabflüsse ins Ausland durch Parallelhandel bzw. Parallelexport als Herausforderungen in der Versorgung erweisen:
- Medikamente haben in Europa nicht überall den gleichen Preis. Österreich gilt im EU-Schnitt als Niedrigpreisland. Spezialisierte Parallelhändler (die in der Regel nicht Hersteller oder Zulassungsinhaber der betroffenen Medikamente sind), machen sich Preisunterschiede zu Nutze, indem sie in einem Land Arzneimittel günstig einkaufen und diese in einem anderen EU-Land teurer wiederverkaufen.
- Dieser Handel mit Arzneimitteln unter Ausnutzung von Preisgefällen im freien europäischen Warenverkehr ist grundsätzlich legal und mit EU-Recht vereinbar. Allerdings dürfen Medikamente nur dann parallel gehandelt werden, wenn ausreichend Ware für den heimischen Markt vorhanden ist.
- Um in Zeiten von Lieferengpässen regulierend eingreifen zu können und weil die Bereitstellung von Arzneimitteln von Seiten der Hersteller nicht auf Zuruf erhöht werden kann, kann das BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) aus Gründen des Schutzes der öffentlichen Gesundheit ein Parallelexportverbot aussprechen. Damit wird ein zusätzliches Risiko von Lieferengpässen reduziert.
- Über welche Arzneimittel ein Verbot zum Parallelexport verhängt wurde, kann jederzeit öffentlich eingesehen werden: https://medicineshortage.basg.gv.at/parallelexportverbot
Mögliche Lösungen für die Arzneimittelversorgung auf europäischer und nationaler Ebene
Die aktuelle Situation ist für alle Betroffenen sehr herausfordernd. Wichtig ist, dass die Menschen nicht unversorgt bleiben:
- Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) listet alle Medikamente die aktuell von Vertriebseinschränkungen betroffen sind in einem öffentlich zugänglichen Register auf. Die Ärzteschaft kann also bereits vor einer Verordnung prüfen, ob das jeweilige Arzneimittel verfügbar ist.
- Vielfach können Verschreiber:innen, Apotheker:innen und Patientinnen und Patienten auf andere Medikamente oder Dosierungen ausweichen. Ein Gespräch mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten ist – bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln – jedenfalls anzuraten. Es besteht in den meisten Fällen die Möglichkeit, auf ein Alternativpräparat verwiesen zu werden.
- Die Apotheken stimmen sich darüber hinaus auch mit anderen Apotheken oder dem Arzneimittelvollgroßhandel ab, um ein bestimmtes Medikament zu erhalten.
- Aufgrund langer Vorlaufzeiten in der pharmazeutischen Produktion ist es nicht möglich die Produktion auf Zuruf zu erhöhen. Zu den Ursachen konkreter Lieferprobleme oder Rückrufe bei einzelnen Medikamenten kann nur der jeweilige Hersteller selbst Auskunft geben.
- Österreich und Europa als Produktionsstandort stärken - als Vertretung der pharmazeutischen Industrie sprechen wir uns in jedem Fall für eine Standortstärkung in Europa aus. Voraussetzung dafür ist ein wettbewerbsfähiges Marktumfeld, das es pharmazeutischen Unternehmen ermöglicht, in Österreich oder Europa Produktionsstätten aufrecht zu erhalten bzw. neue aufzubauen.
- Notfalllager: Zur Bewältigung länderübergreifender Lieferengpässe können nur gemeinschaftliche Maßnahmen herangezogen werden. Statt einer nationalen Bevorratung wäre daher aus unserer Sicht eine auf europäischer Ebene abgestimmte Lösung zu bevorzugen.
Artikel und Nachrichten
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VersorgungPFAS: Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit gemeinsam sichern
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08.05.2026
EU-Umweltpolitik: Balanceakt mit Folgen für Versorgungssicherheit und Standort Europa
Mehr lesenEU-Regulierungen zu Abwasser und PFAS erhöhen den Druck auf Europas Pharmastandort und werfen Fragen zur Versorgungssicherheit auf.
Wien, 08. Mai 2026 - Wie kann die ökologische Transformation gelingen, ohne die Versorgungssicherheit mit Medikamenten und die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu gefährden? EU-Gesetzesinitiativen, wie jene zur 4. kommunalen Abwasser-Klärstufe oder zum Verbot sogenannter Ewigkeitschemikalien, stellen die pharmazeutischen Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Wie diese gemeistert werden können, stand im Zentrum der Veranstaltung „Balanceakt: Zwischen Umweltzielen und Versorgungssicherheit“, die die PHARMIG vergangenen Dienstag im Kelsen im Parlament organisiert hatte.
Am Podium saßen Vertreter:innen des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), der Technischen Universität Wien und der pharmazeutischen Industrie. Bei der Kommunalen Abwasserrichtlinie (KARL) wurde vor allem über die Kosten diskutiert, die mit der Errichtung und dem Betrieb der 4. Klärstufe verbunden sind und die laut EU-Richtlinie zu mindestens 80 % von der pharmazeutischen und der Kosmetikindustrie zu zahlen sein werden. Dass eine derartige finanzielle Belastung nicht ohne Auswirkungen auf die Versorgung mit Medikamenten bleiben kann, wurde speziell von den Vertreterinnen bzw. Vertretern der Pharmabranche betont.
So machte Dr. Boris Thurisch vom deutschen Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) in seinem Eingangsstatement deutlich, dass die Branche seit dem Green Deal mit einer Vielzahl neuer Gesetzgebungen aus dem Bereich Umwelt konfrontiert ist, die tief in bestehende Produktions- und Wertschöpfungsprozesse eingreifen. Dabei würden Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte bereits in vielen Bereichen berücksichtigt, gleichzeitig fehlten den Gesetzesinitiativen, insbesondere der Kommunalen Abwasserrichtlinie und jener zu Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS), belastbare Daten, funktionale Alternativen und realistische Übergangsfristen.
Sind es bei KARL die enormen Kosten, die auf die Pharmaunternehmen zukommen, zeigte Thurisch genauso auch anhand der Regulierung zu PFAS auf, welche Gefahren pauschale Regulierungsansätze bergen: „In der pharmazeutischen Produktion sind diese Stoffe vielfach unverzichtbar, während Substitutionsprozesse komplex und langwierig sind. Ein weitreichendes Verbot ohne differenzierte Übergangsregelungen hätte erhebliche negative Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung.“
Was die 4. Stufe in der Abwasserreinigung betrifft, so ist die Technologie zwar erprobt, ihre flächendeckende Umsetzung jedoch mit erheblichen technischen und finanziellen Herausforderungen verbunden. Waren sich alle über den Sinn einer weitergehenden Abwasserreinigung einig, so wurde offensichtlich, dass es bei den zugrunde liegenden Kostenannahmen deutliche Unsicherheiten gibt. Während die Europäische Kommission EU-weit von jährlichen Kosten in Höhe von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro ausgeht, kommen andere Analysen auf ein Vielfaches. Auch für Österreich reichen die Schätzungen – je nach Modell – von rund 37 bis über 50 Millionen Euro pro Jahr, bei gleichzeitig erheblichen Unsicherheiten etwa bei Betriebs- und Investitionskosten.
Infrage gestellt wurde demnach die Datengrundlage der EU-Impact-Assessments. Insbesondere die Frage, welcher Anteil der Mikroschadstoffe tatsächlich auf pharmazeutische Produkte zurückzuführen ist, wurde als noch nicht ausreichend geklärt bewertet. Vor diesem Hintergrund kritisierte Boris Thurisch auch die derzeitige Ausrichtung der Regulierung: „Politisch ist klar erkennbar, dass ein wesentlicher Teil der Kosten im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung der pharmazeutischen Industrie zugeschrieben werden soll – bei gleichzeitig unsicherer Datenbasis.“
DI Heide Müller-Rechberger vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) betonte, dass Gewässerschutz und Arzneimittelversorgung gemeinsam gedacht werden müssten. Sie sehe durchaus Ansätze von der Europäischen Kommission und in der Richtlinie selbst, die in diese Richtung gehen. Die Richtlinie enthalte bereits Instrumente zur Nachjustierung, etwa durch Evaluierungen und Anpassungen auf Basis neuer Erkenntnisse. Bezüglich der Ermittlung der finanziellen Auswirkungen durch die Europäische Kommission betonte sie, dass die verwendeten Kostenkurven grundsätzlich auf soliden Informationen aufbauen. Natürlich könne es bei den finalen Kosten noch Abweichungen geben.
Aus wissenschaftlicher Perspektive unterstrich Ass.-Prof. Mag. Dr. Norbert Kreuzinger von der Technischen Universität Wien die Notwendigkeit eines verbesserten Gewässerschutzes vor dem Hintergrund des Klimawandels und steigender Belastungen durch Mikro- und Spurenstoffe. Die vierte Reinigungsstufe könne einen wichtigen Beitrag leisten, um Oberflächenwasser stofflich so zu entlasten, dass es ohne gesundheitliche Bedenken in der Landwirtschaft oder zum Einsatz kommen könne und auch Rohwässer für die Trinkwasserversorgung aus gewässernahen Grundwässern eine bessere Ausgangsqualität aufweisen. Allerdings seien die Kosten aktuell schwer zu kalkulieren. Einige Parameter seien wegen der zahlreichen lokalen Einflussfaktoren schwer abzuschätzen – etwa die Wechselintervalle der Aktivkohle, die benötigte Ozonmenge oder die Pumpkosten infolge der hydraulischen Situation. Dabei handelt es sich um relevante Betriebskosten, die je nach Standort stark variieren können.
Die Perspektive der industriellen Produktion brachte Dr. Stephanie Jedner, Site Head Kundl beim Pharmaunternehmen Sandoz, ein. Sie unterstrich, dass Umweltschutz und Arzneimittelsicherheit für die Branche selbstverständlich seien und bereits heute erhebliche Investitionen in nachhaltige Produktionsprozesse getätigt würden. Gleichzeitig verwies sie auf die zunehmende ökonomische Belastung europäischer Standorte, insbesondere im Generikabereich mit stark regulierten Preisen. „Eine Tagesdosis Penicillin kostet weniger als einen Euro, ein Cappuccino hingegen fünf bis sechs Euro“, verdeutlichte Jedner die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Je nach Ausgestaltung der Regulierung könnten sich die Produktionskosten einzelner Wirkstoffe deutlich erhöhen. In Einzelfällen wurde von einer Vervierfachung bis hin zu einer Verachtfachung gesprochen. Dies könnte dazu führen, dass Produkte vom Markt verschwinden oder Produktionskapazitäten weiter in außereuropäische Regionen verlagert werden.
Auch Mag. Dr. Thomas Jakl vom zuständigen Bundesministerium BMLUK verwies auf die Komplexität der Regulierung, insbesondere im PFAS-Dossier. Ziel sei ein differenzierter, anwendungsbezogener Ansatz, der Umwelt- und Gesundheitsschutz sicherstellt, ohne sicherheitskritische Anwendungen vorschnell auszuschließen. Übergangsfristen seien dabei essenziell, da Substitutionsprozesse in der pharmazeutischen Produktion oft mehrere Jahre in Anspruch nehmen und tief in bestehende Herstellungsprozesse eingreifen.
Thurisch vom BPI brachte es auf den Punkt: „Wir haben einen klaren Zielkonflikt zwischen Umweltschutz und Versorgungssicherheit – und genau diesen müssen wir faktenbasiert lösen.“ Er plädierte, ebenso wie mehrere Personen im Publikum, dafür, auf europäischer Ebene eine temporäre Aussetzung des Umsetzungstakts der Kommunalabwasserrichtlinie zu prüfen, um offene fachliche und datenbasierte Fragen zu klären.
Einigkeit bestand an diesem Abend darüber, dass die ökologische Transformation nur im Dialog zwischen Politik, Wissenschaft, Behörden und Industrie gelingen kann. Voraussetzung dafür ist jedoch eine faktenbasierte Regulierung, die auf belastbaren Daten beruht, praktikabel umgesetzt werden kann und die die wirtschaftlichen Realitäten der Arzneimittelproduktion berücksichtigt. Denn klar ist: Eine Regulierung, die ihre Ziele verfehlt oder unbeabsichtigte, negative Nebenwirkungen erzeugt, könnte nicht nur den Pharmastandort Europa schwächen, sondern letztlich auch den Zugang von Patientinnen und Patienten zu lebenswichtigen Therapien gefährden.
Credit Gruppenbild: E. Prokofieff | PHARMIG
Im Bild von links nach rechts:
Mag. Dr. Thomas Jakl - Abteilungsleiter V/5, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, Dr. Stephanie Jedner - Site Head Kundl bei Sandoz, Ass.-Prof. Mag. Dr. Norbert Kreuzinger - Arbeitsgruppenleiter, Technische Universität Wien, DI Heide Müller-Rechberger - Abteilungsleiterin IV/4, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, Sara Grasel - Chefredakteurin von Selektiv, Dr. Boris Thurisch - Geschäftsführer Nachhaltigkeit beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI)Rückfragehinweis
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03.04.2026
Zollpolitik gefährdet Medikamentenversorgung und Standort
Mehr lesenHandelsbeschränkungen führen im schlimmsten Fall zu Abwanderung von Forschung und Produktion in die USA. EU-Politik muss im Sinne der eigenen Sicherheit rasch handeln.
Wien, 3. April 2026 – Die jüngste Ankündigung der US-Administration, bei der Einfuhr bestimmter Arzneimittel in die USA einen Zoll und damit einen Preisaufschlag von 100 % einführen zu wollen, gefährdet sowohl die Medikamentenversorgung als auch den Standort Österreich – jedenfalls dann, wenn keine entsprechenden Gegenmaßnahmen getroffen werden. Dazu sagt Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG: „Das Ansinnen von Präsident Trump, mehr Produktion in die USA zu holen, täte generell auch der europäischen und österreichischen Politik gut. Allerdings ist die Situation bei uns anders gelagert. Mit einer Niedrigpreispolitik, wie sie bei Arzneimitteln in Europa und gerade auch in Österreich herrscht, wird man weder den Standort noch die Versorgung stärken. Der generische Bereich leidet seit langem schon an extrem niedrigen Preisen, und was den innovativen Sektor betrifft, so wird der Wert und Nutzen innovativer Medikamente ebenfalls nicht im entsprechenden Maß gewürdigt. Zudem ist es schlicht eine Tatsache, dass neue Medikamente zum Großteil in den USA entwickelt werden. Dort nämlich herrscht ein anderes Verständnis davon, was Forschung leistet und welchen Nutzen Innovationen für die Gesellschaft haben.“
Idealerweise nimmt die EU-Politik Trumps jüngste Ankündigung zum Anlass, die beabsichtigte Vereinbarung zwischen der EU und den USA vom August letzten Jahres voranzutreiben. Diese sieht eine Obergrenze von 15 % für Zölle auf pharmazeutische Produkte vor. Noch ist das entsprechende Dokument nicht bindend und muss auf EU-Ebene erst umgesetzt werden. „Um zu verhindern, dass wir langfristig Forschung und Produktion im Pharmabereich an die USA verlieren, sollte die EU zügig handeln“, mahnt Herzog.
Für die pharmazeutische Industrie ist es von höchstem Interesse, Arzneimittel generell von jeglichen Zöllen auszunehmen, wie es auch in der Vergangenheit der Fall war. Allerdings ist dieses Ziel mit der jüngsten Verlautbarung über hohe Zölle in noch weitere Ferne gerückt.
„Wir können es uns heute nicht mehr leisten, die Forschung anderen zu überlassen und die Produktion von so essenziellen Gütern wie Medikamenten zunehmend abwandern zu lassen. Die Versorgung mit Medikamenten und deren Entwicklung ist auch eine Frage strategischer Sicherheit. Wir müssen jetzt, wo es derartige geopolitische Verwerfungen und Drohszenarien gibt, an unserer Eigenständigkeit arbeiten. Daher sind unsere Forderungen nach adäquaten Medikamentenpreisen und einer umfassenden, langfristigen Strategie zur Stärkung der pharmazeutischen Industrie in Österreich und der EU keine leeren Phrasen. Hier müssen seitens der Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen gesetzt werden, und zwar besser gestern als heute“, so Herzog.
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VersorgungFür Pharma mit Zukunft
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11.12.2025
Pharmazeutische Industrie warnt: Abwasserrichtlinie gefährdet Versorgungssicherheit mit Medikamenten und Wettbewerbsfähigkeit
Mehr lesenDie Kommunale Abwasserrichtlinie wird zu finanziellen Belastungen führen, die sich letztlich negativ auf die Versorgung mit Medikamenten auswirken werden.
Wien, 11. Dezember 2025 – Die pharmazeutische Industrie warnt wiederholt davor, dass die kommunale Abwasserrichtlinie in ihrer jetzigen Form die Versorgung mit Medikamenten gefährdet, genauso wie den Forschungs- und Produktionsstandort Europa. Zuletzt hätte es für die EU-Kommission eine Möglichkeit gegeben, die bereits beschlossene Richtlinie überarbeiten zu lassen. Doch dies wurde nicht ermöglicht. Damit bleibt weiterhin zu befürchten, dass die pharmazeutischen Unternehmen den Großteil der Kosten für die Einführung und den Betrieb einer 4. Klärstufe des kommunalen Abwassers zu tragen haben. „Das wäre ein Brandbeschleuniger für den wirtschaftlichen Niedergang Europas und eine Gefahr für die Versorgung mit wichtigen Medikamenten“, warnt Alexander Herzog, Generalsekretär des Pharma-Verbandes PHARMIG ausdrücklich.
Die EU-Kommission hatte zwar, wie im Herbst zugesagt, eine neuerliche Kostenstudie durchführen lassen. Doch diese Studie beschränkt sich auf Kostenanpassungen und Inflationskorrekturen, ohne eine Transparenz zu den zugrunde liegenden Daten zu liefern. Eine umfassende sektorale Bewertung – wie von Mitgliedstaaten und Industrie gefordert – blieb aus. Die Kosten, die auf die Pharma- und Kosmetikindustrie zukommen, reichen je nach Studie von gut einer Milliarde Euro europaweit pro Jahr bis zu 11 Milliarden Euro, wie von der europäischen Vereinigung der nationalen Verbände in der Wasserver- und Abwasserentsorgung (EurEau) errechnet wurde.
„Wir bleiben bei unserer Kritik, dass die zu erwartenden Kosten massiv unterschätzt werden“, so Herzog. Viele Medikamente, besonders Generika und Spezialpräparate, stehen bereits jetzt unter wirtschaftlichem Druck. Zusätzliche Belastungen, wie sie nun bevorstehen, werden zur Folge haben, dass diese Präparate vom Markt verschwinden, wenn ihre Preise nicht erhöht werden können. Dies ist wiederum unter den existierenden Preis- und Erstattungsregelungen kaum oder nur schwer durchzuführen. Dazu Herzog: „Hier herrscht wenig politische Weitsicht und das wird zu einem ernsten Problem für die Medikamentenversorgung werden.“
Bis zuletzt hatte sich die pharmazeutische Industrie dafür ausgesprochen, dass bei einer neuerlichen Kostenanalyse ein innovativer Ansatz gewählt wird, der auch die Auswirkungen auf die Arzneimittelpreise, die Erstattungsrahmen und den Zugang der Patient:innen zu essenziellen Behandlungen umfasst. Eine Forderung, die auch von zahlreichen Mitgliedsstaaten mitgetragen wurde. Selbst EU-Gesundheitskommissar Oliver Varhelyi hatte eine mögliche Anpassung der Richtlinie in den Raum gestellt. „Leider ist man hier nicht mit der notwendigen Besonnenheit vorgegangen. So ist zu befürchten, dass Umweltschutz auf Kosten der Versorgung und letztlich zum Leidwesen der Patientinnen und Patienten betrieben wird“, äußert sich Herzog kritisch.
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18.11.2025
Langfristige gesetzliche Rahmenbedingungen fördern Versorgungssicherheit
Mehr lesenWichtiger Schritt in Gesetzgebung bei Preis- und Erstattungsregeln von Medikamenten heute gesetzt.
Wien, 18. November 2025 – Der heutige Ministerratsbeschluss über die Verlängerung von spezifischen Regelungen der Preise von Generika und Biosimilars (Nachfolgepräparate von Originalen sowie von komplexen biologischen Arzneimitteln) wird von Seiten der pharmazeutischen Industrie als wichtiger Schritt hin zu mehr Versorgungssicherheit gesehen und daher vollumfänglich begrüßt. „Unternehmen brauchen Planbarkeit, um ihrem Versorgungsauftrag mit Arzneimitteln nachkommen zu können. Gesetzliche Regelungen, die langfristig gelten, tragen zu einer solchen Planbarkeit bei. Wenn aber wesentliche Gesetze alle zwei Jahre neu diskutiert werden, dann schafft das Unsicherheit. Daher ist der heute gesetzte Schritt des Ministerrats zur Verlängerung entsprechender Regelungen zumindest bis 2029 positiv zu sehen“, so Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG.
Mit dem heutigen Beschluss wurde ein wichtiger Meilenstein gesetzt, damit wichtige Regelungen zwar noch immer nicht dauerhaft, aber zumindest bis 2029 verlängert werden, nämlich die Preisbildungsregel für Generika und Biosimilars, das Preisband für wirkstoffgleiche Arzneispezialitäten und die Richtlinien für den Parallelhandel mit Arzneimitteln. Selbige galten in den vergangenen Jahren jeweils nur für zwei Jahre.
„Ein Standort glänzt beispielsweise dadurch, dass sich Unternehmen auf bestimmte Rahmenbedingungen und Spielregeln verlassen können. Ist das nicht der Fall, suchen sich Unternehmen andere, attraktivere Märkte und Länder, um dort zu forschen und zu produzieren. Nicht zuletzt wirken sich Preis- und Erstattungsregeln unmittelbar auf die Verfügbarkeit von Medikamenten aus, sowohl von bewährten wie von neuen, innovativen. Wer eine stabile und idealerweise hoch moderne Versorgung haben möchte, muss das berücksichtigen“, erläutert Herzog mit Blick auf die Politik, die diesen Rahmen gestaltet und diesbezüglich heute richtige Weichen gestellt hat.
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16.10.2025
Medikamentenversorgung: kein Plan, kein Vertrauen
Mehr lesenPlanbare Rahmenbedingungen sind für Unternehmen entscheidend, um hier zu investieren und um die Arzneimittelversorgung in Österreich bestmöglich sicherstellen zu können.
Wien, 16. Oktober 2025 – Die PHARMIG, der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs, unterstreicht die Botschaft der heutigen Pressekonferenz des Biosimilarsverband Österreichs: Langfristig verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, um den Versorgungsauftrag gegenüber Patient:innen erfüllen zu können. Dazu sagt Generalsekretär Alexander Herzog: „Unternehmen brauchen stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, um ihre Aufgaben im Gesundheitswesen erfüllen zu können. Gerade in einem extrem herausfordernden, internationalen und hoch regulierten Umfeld ist es entscheidend, dass Österreichs Politik, zum Wohle der Patient:innen und zur Sicherung des Standorts, klare Signale für Verlässlichkeit und Planbarkeit setzt.“Viele pharmazeutische Unternehmen betreiben hierzulande moderne Produktionsanlagen und Forschungseinrichtungen – sowohl für bewährte, patentfreie Arzneimittel als auch für innovative Therapien. Damit sichern sie nicht nur die Versorgung der Bevölkerung, sondern tragen zudem rund 4,8 Milliarden Euro jährlich zur nationalen Wertschöpfung bei.
Damit das so bleibt, müssen die Preis- und Erstattungsregeln für Arzneimittel so gestaltet sein, dass sie den Unternehmen ausreichend Spielraum lassen, um ihre Produkte weiterhin in der Versorgung halten zu können. Kritisch ist dabei insbesondere, dass die ohnedies strengen Regeln für die Preisbildung von patentfreien Arzneimitteln, die hoch versorgungsrelevant sind, immer nur für zwei Jahre gelten und kurzfristig verlängert werden, anstatt dauerhaft zu gelten. „Das schafft Unsicherheit bei den Unternehmen und tut weder der Versorgung noch dem Standort Österreich gut. Die Leidtragenden sind am Ende die Patientinnen und Patienten, wenn sie ihre Medikamente nicht oder nur verzögert bekommen, weil es wieder einmal Probleme bei der Versorgung gibt. Diese sind, in Bezug auf die hierzulande herrschende Niedrigpreispolitik bei Arzneimitteln, zum Teil auch hausgemacht“, warnt Herzog.
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29.07.2025
Bei Arzneimittel zu sparen, heißt die Versorgung und den Standort zu gefährden
Mehr lesenWachsender Arzneimittelbedarf und damit verbundene, höhere Ausgaben liegen nicht im Verantwortungsbereich der pharmazeutischen Industrie. Die Preisregularien drücken die Medikamentenpreise seit Jahren immer tiefer.
Wien, 29. Juli 2025 – „Wenn in letzter Zeit verstärkt öffentlich über steigende Medikamentenausgaben, verursacht etwa durch erhöhte Verordnungszahlen, lamentiert wird, so ist das per se nichts Böses. Es zeigt nur, dass wir alle älter werden, dass der Anteil der älteren Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung steigt und dass sich damit der Bedarf an Medikamenten erhöht. Der pharmazeutischen Industrie daraus unterschwellig einen Vorwurf zu machen und daraus abzuleiten, dass die Medikamentenpreise noch weiter gesenkt werden müssten, lenkt von den wahren Baustellen im Gesundheitswesen ab und schadet zudem der Versorgung, aber auch dem Standort Österreich insgesamt“, kommentiert Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, jüngste Meldungen zum Arzneimittelverbrauch in Österreich.
Es ist nichts Neues, dass das Gesundheitssystem unter einem hohen Maß an Ineffizienz leidet. Das Geld, das ins österreichische Gesundheitssystem fließt, wird nicht wirksam genug eingesetzt. Dabei steuert die pharmazeutische Industrie ihrerseits einen gewichtigen Beitrag zur Finanzierung des Gesundheitswesens bei. Dazu Herzog: „Das mag für manche überraschend klingen, läuft aber schon seit Jahren so. Denn durch Rückzahlungen im Rahmen sogenannter ‚Preismodellvereinbarungen‘ fließen jedes Jahr Millionenbeträge von pharmazeutischen Unternehmen zurück an die Sozialversicherung. Letztes Jahr waren es mehr als 450 Millionen Euro.“ Da dies seitens der Österreichischen Gesundheitskasse nicht transparent ausgewiesen wird, sei das Wissen über diese signifikanten Beiträge aus der Industrie nur bei wenigen vorhanden, betont Herzog.
Abseits dieser Rückzahlungen werden die Preise von erstattungsfähigen, patentfreien Medikamenten durch gesetzliche Mechanismen extrem niedrig gehalten und künstlich immer weiter nach unten gedrückt. Unter diesen widrigen Umständen versuchen die Unternehmen dennoch, so gut wie möglich ihre Produkte auf dem hiesigen Markt zu halten. „Mehr kann die Industrie zu einer sicheren Versorgung nicht tun“, warnt Herzog.
Der Preisverfall im patentfreien, erstattungsfähigen Markt zeigt sich anhand des folgenden Beispiels sehr deutlich: Kostete eine Medikamentenpackung im Jahr 1996 noch umgerechnet zehn Euro, kostet sie heute 6,18 Euro. Dagegen ist alles andere teurer geworden.
Die Kombination aus hohen Betriebskosten, überdurchschnittlicher Inflation und starren Preisregelungen wirkt wie eine schleichende Aushöhlung – sowohl der pharmazeutischen Unternehmen als auch der Versorgung. Im Durchschnitt verlassen demnach pro Monat an die zwanzig Medikamente den Erstattungskodex, weil es sich für die Unternehmen nicht mehr rechnet, diese Produkte auf dem Markt zu halten.
Vor dem Hintergrund der internationalen Zoll-Debatte mahnt Herzog zudem eine grundlegende Änderung der Einstellung zu Medikamenten ein: „Die Zeit der billigen Medikamentenpreise ist vorbei. Es ist höchst an der Zeit, dass Arzneimittel als Investition in die Gesundheit, in die Wirtschaft und in die Zukunft Österreichs gesehen werden. Wenn wir eine sichere Versorgung, einen starken Standort und innovative Medikamente in Österreich haben wollen, dann geht all das nicht ohne eine starke pharmazeutische Industrie. Sie ist die Voraussetzung für all das. Das muss der Politik und dem Zahlersystem klar sein.“
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16.07.2025
Zölle gefährden die Gesundheitsversorgung
Mehr lesenHandelsbeziehungen müssen so gestaltet sein, dass sie die Gesundheitsversorgung nicht gefährden, sondern dass sie sie für alle verbessern. Zölle sind der gänzlich falsche Weg.
Wien, 16. Juli 2025 – Im Streit um allfällige Zölle auf Medikamente warnt Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, davor, dass durch derartige Handelsbarrieren die Gesundheitsversorgung gefährdet wird: „Im Medikamentenmarkt ist eine Globalisierung heute gang und gäbe. Darin unterscheiden wir uns nicht von anderen Branchen. Aber was bei uns anders ist, ist die Tatsache, dass Handelsbarrieren unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung haben, und zwar negative. Von derartigen Maßnahmen hat niemand etwas.“
Wesentlich sei daher, dass Medikamente von Zöllen abseits des bestehenden GATT-Abkommens, ob dies- oder jenseits des Atlantiks, ausgenommen werden: „Selbst wenn Arzneimittel jetzt auch nur mit einem geringen Prozentsatz an zusätzlichen Zöllen belegt werden, würde das der Versorgung schaden. Gar nicht davon zu sprechen, wenn es, wie es derzeit im Raum steht, 200 Prozent wären! Derartige Eingriffe schaden der gesamten Versorgungskette und am Ende auch den Patientinnen und Patienten“, so Herzog.
Grund dafür ist, dass die Medikamentenpreise im erstattungsfähigen Markt gesetzlich geregelt und nicht frei festsetzbar sind. Wie lange Unternehmen dann diese gestiegenen Kosten tragen würden können, ist ungewiss. In jedem Fall würden letzten Endes aber auch öffentliche Gesundheitsbudgets massiv auf die Probe gestellt werden. Ebenso würden die Patientinnen und Patienten sehr rasch dort die Zölle spüren, wo sie sich ihre Medikamente selbst bezahlen, sprich im rezeptfreien Markt.
Was der Streit um Handelszölle folglich sichtbar werden lässt, ist die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen in Europa zu verbessern. Dazu sagt Herzog: „Es ist eine Tatsache, dass in Europa nur allzu gerne auf niedrige Medikamentenpreise fokussiert wird. Viel zielführender wäre es, Medikamente als Investitionen in die Gesundheit zu betrachten.“ Folglich ist es höchst an der Zeit, die Preis- und Erstattungsregelungen in den einzelnen Ländern Europas so zu gestalten, dass damit auch der Wert und Nutzen dieser so wichtigen Produkte widergespiegelt wird. Dasselbe gilt im Grunde auch für den Forschungsbereich und damit für die Entwicklung neuer sowie für die Verbesserung existierender Medikamente.
Gerade in Österreich sind die Preise speziell im patentfreien Medikamentensektor so niedrig, dass sie die Versorgung gefährden. Denn der Arzneimittelschatz wird durch die Niedrigpreispolitik stetig ausgedünnt: An die 20 Medikamente verlassen pro Monat den Erstattungskodex. Dies geschieht in vielen Fällen deshalb, weil die Vermarktung der entsprechenden Produkte für die Unternehmen ab einem zu geringen Preis nicht mehr wirtschaftlich ist.
Hinzu kommen die in der jüngsten Vergangenheit insgesamt enorm gestiegenen Kosten für die Unternehmen und die gerade in Österreich überdurchschnittlich hohe Inflation. „Das ist eine toxische Mischung, zumal die pharmazeutischen Unternehmen die Preise ihrer Produkte, die von der Krankenkasse erstattet werden, nicht automatisch erhöhen und an die Inflation anpassen können. Hier müssen wir endlich moderne Rahmenbedingungen schaffen, die einer modernen Versorgung auch würdig sind und sie nicht torpedieren“, mahnt Herzog.
Gerade das in den letzten Wochen diskutierte Preisband, aber auch andere Regelungen im Erstattungsbereich sollten zumindest ins Dauerrecht überführt werden. Andernfalls sind die Unternehmen alle zwei Jahre mit ungewissen Preisregelungen konfrontiert. „Irgendwann ist für die Unternehmen dann der Punkt erreicht, wo sie schlichtweg gezwungen sind, sich aus dem Markt zurückzuziehen. Das erhöht folglich die Konzentration auf einige wenige Anbieter und schafft somit einen noch größeren Druck auf die Versorgung. Wenn es im Herbst oder Winter dann zu unvorhergesehenen Engpässen kommt, ist genau das ein Grund dafür“, gibt Herzog zu bedenken.
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